Aktuelles
Wohnraum, der sich am Leben orientiert
Unsere Bedürfnisse verändern sich im Laufe des Lebens. Eine Familie braucht andere Räume als ein alleinlebender Mensch. Im Alter kann ein großes Haus mit Garten zur Belastung werden, während eine kleinere, barrierefreie Wohnung neue Selbstständigkeit ermöglicht. Entscheidend ist dabei häufig nicht nur die Wohnung selbst, sondern auch ihr Umfeld: Bleiben vertraute Kontakte erhalten? Sind wichtige Angebote erreichbar? Gibt es Menschen in der Nähe, mit denen man den Alltag teilen kann?
Wie eine Gemeinde solche Bedürfnisse aufgreifen kann, konnten wir beim Seniorenwohnen in Schechen sehen. Die von Deppisch Architekten geplante Anlage umfasst 16 alters- und behindertengerecht gestaltete Wohnungen: elf Zweizimmerwohnungen mit jeweils rund 50 Quadratmetern und fünf Dreizimmerwohnungen mit rund 65 Quadratmetern. Die Vermietung erfolgt durch die Gemeinde; die Kaltmieten sind nach Einkommen gestaffelt.
Die in Holzbauweise errichtete Anlage verbindet private Wohnungen mit einem Gemeinschaftshaus. Dieses bietet einen rund 100 Quadratmeter großen, teilbaren Saal, ein Seniorenbüro und weitere Räume. Vor Ort konnten wir uns davon überzeugen, wie eng hier das eigene Zuhause und die Möglichkeiten zur Begegnung räumlich miteinander verbunden sind. Neben dem privaten Rückzugsort gibt es Platz für gemeinsame Aktivitäten.
Für uns als aktuelle und ehemalige Gemeinderatsmitglieder war besonders interessant, dass die Kommune selbst Verantwortung für dieses Wohnangebot übernimmt. Für Fahrenzhausen steckt darin eine wichtige Anregung: Wer im Alter kleiner wohnen möchte, sollte dafür möglichst nicht seine Heimat verlassen müssen. Entsprechende Angebote könnten einen freiwilligen Wechsel innerhalb der Gemeinde erleichtern. Dadurch könnten zugleich bestehende Häuser wieder für andere Haushalte, beispielsweise Familien, verfügbar werden. Ob und in welchem Umfang das bei uns möglich wäre, müsste anhand des örtlichen Bedarfs geprüft werden.
Mehr zum Seniorenwohnen auf der Internetseite der Gemeinde Schechen
Von passenden Wohnungen zu lebendigen Nachbarschaften
Eine gute Wohnung ist die Grundlage. Doch Gemeinschaft entsteht auch dazwischen: auf Wegen, in Höfen, auf Grünflächen oder beim kurzen Gespräch vor der Haustür. Wenn solche Begegnungen bei der Planung mitgedacht werden, kann ein Wohngebiet mehr werden als eine Ansammlung einzelner Gebäude.
Am Klosteranger in Weyarn konnten wir diesen Gedanken vor Ort nachvollziehen. Auf einer rund 5,5 Hektar großen Fläche wurde der bestehende Dorfkern um unterschiedliche Wohnangebote ergänzt. Die Planung von LBGO verbindet Mehrgenerationenwohnen, Familienwohnen und Nahversorgung mit gemeinschaftlichen Freiräumen.
In sieben Mehrgenerationenhäusern wurden insgesamt 70 Wohnungen geschaffen. Unterschiedliche Wohnungsgrößen bieten Platz für Ein- und Mehrpersonenhaushalte und damit für Menschen in verschiedenen Lebenssituationen. Hinzu kommen im Projektteil Familienwohnen 45 Wohneinheiten in Reihen- und Doppelhäusern.
Bei unserem Rundgang wurde deutlich, welchen Stellenwert die Räume zwischen den Gebäuden haben. Gemeinschaftliche Höfe, Grünflächen und die Verbindung zum Ortskern gehören zum Gesamtkonzept. In den Mehrgenerationenhäusern sind außerdem die zentralen Treppenhäuser als Orte für zwanglose Begegnungen gestaltet. Zugleich verfügen die Wohnungen und Häuser über private Rückzugsbereiche. Gemeinschaft und Privatsphäre werden so gleichermaßen berücksichtigt.
Auch die Nahversorgung ist Teil der Entwicklung. Wege zum Supermarkt oder durch das Quartier können dadurch zugleich Gelegenheiten sein, Nachbarn zu treffen und am Dorfleben teilzunehmen.
Unsere Abordnung nahm daraus eine zentrale Frage mit: Wie könnten wir auch in Fahrenzhausen Wohnangebote schaffen, die verschiedene Generationen zusammenbringen und zugleich in unsere gewachsenen Ortsteile passen? Gemeinsame Flächen könnten Kontakte erleichtern und nachbarschaftliche Hilfe fördern – etwa beim Einkaufen, bei kleinen Alltagserledigungen oder durch ein offenes Ohr füreinander. Solche Beziehungen lassen sich nicht allein durch Gebäude herstellen. Die Besichtigung zeigte uns aber, wie bewusst eine Planung ihnen Raum geben kann.
Mehr zum Gesamtkonzept Klosteranger bei LBGO
Details zu den Mehrgenerationenhäusern
Details zum Familienwohnen
Ein Quartier als gemeinsamer Lebensraum
Der Besuch der Alten Spinnerei in Kolbermoor erweiterte diese Überlegungen: Dort wurden historische Industriegebäude mit neuen Nutzungen und Wohngebäuden verbunden. Aus dem ehemaligen Baumwollspinnereigelände entwickelte sich ein Quartier, in dem Wohnen, Arbeiten, Gastronomie und weitere Angebote zusammenkommen.
Wir waren vor Ort und konnten sehen, wie historische Bausubstanz und moderne Architektur ein gemeinsames Umfeld bilden. Bestehende Gebäude bewahren die Identität des Ortes und erhalten durch neue Nutzungen eine Zukunft. Büros, Wohnungen und Restaurants bringen unterschiedliche Menschen und Aktivitäten in das Quartier.
Eine besondere Rolle spielt der angeschlossene Spinnereipark. Bei seiner Weiterentwicklung war der Erhalt alter Bäume ein wichtiger planerischer Gesichtspunkt. Die von Behnisch Architekten entworfenen Wohngebäude greifen die Lage im Park mit ihren charakteristischen Y-förmigen Grundrissen auf. Beim Rundgang ließ sich das Zusammenspiel von Gebäuden, Baumbestand und Freiräumen unmittelbar erleben.
Für unsere Suche nach guten Ansätzen für Fahrenzhausen war weniger die Größe des Projekts entscheidend als der dahinterliegende Gedanke: Wohnen, Versorgung, Arbeit und Begegnung können gemeinsam geplant werden. Auch im kleineren Maßstab könnten sinnvoll kombinierte Nutzungen dazu beitragen, Orte im Alltag zu beleben und Wege zu verkürzen.
Dabei lohnt sich der Blick auf das, was bereits vorhanden ist. Welche Gebäude könnten weitergenutzt werden? Wo könnten neue Angebote Bestehendes ergänzen? Und wie lassen sich Grünräume erhalten und zugleich für das Gemeindeleben nutzbar machen? Diese Fragen begleiteten unsere Gespräche während der Besichtigung.
Mehr zur Entwicklung der Alten Spinnerei und des Spinnereiparks bei Max von Bredow Baukultur
Was wir für Fahrenzhausen mitnehmen
Die drei besichtigten Projekte unterscheiden sich in Größe, Gestaltung und Schwerpunkt. Gemeinsam zeigen sie jedoch: Wohnraum und Zusammenleben sollten zusammen gedacht werden. Der persönliche Besuch half uns, die Konzepte über Zahlen und Beschreibungen hinaus zu verstehen und ihre möglichen Stärken für unsere Gemeinde zu diskutieren.
Daraus ergeben sich für uns mehrere Ansätze:
- Wohnangebote für unterschiedliche Lebensphasen schaffen: Kleinere und barrierefreie Wohnungen können das bestehende Angebot ergänzen und Menschen ermöglichen, innerhalb der Gemeinde eine passende Wohnform zu finden.
- Begegnungen im Alltag erleichtern: Gemeinschaftsräume, Höfe, Wege und Grünflächen können Nachbarschaften stärken, wenn sie gut erreichbar und sinnvoll nutzbar sind.
- Generationen miteinander verbinden: Unterschiedliche Wohnungsgrößen und Haustypen können eine vielfältige Bewohnerschaft ermöglichen.
- Nahversorgung und Wohnraum gemeinsam betrachten: Kurze Wege zu alltäglichen Angeboten erleichtern Selbstständigkeit und schaffen Gelegenheiten für Kontakte.
- Bestehendes sorgfältig weiterentwickeln: Vorhandene Gebäude und gewachsene Ortsstrukturen können Ausgangspunkte für neue Ideen sein.
- Mit Fläche verantwortungsvoll umgehen: Kompakte Bauformen und gemeinsam genutzte Freiräume können Alternativen zu großen Einzelgrundstücken eröffnen.
Diese Ansätze sind keine fertigen Lösungen für Fahrenzhausen. Jedes Projekt braucht passende Standorte, ein tragfähiges Finanzierungs- und Betriebskonzept und vor allem einen tatsächlichen Bedarf. Ebenso wichtig ist die Frage, wer Gemeinschaftsräume betreut und wie gemeinsame Angebote dauerhaft mit Leben gefüllt werden.
Gerade deshalb war uns der Blick über die Gemeindegrenzen wichtig: Gute Ideen lassen sich besser beurteilen, wenn man ihre Umsetzung selbst gesehen hat. Unsere Abordnung verbindet dabei die Erfahrung aus früherer Gemeinderatsarbeit mit der Verantwortung der heutigen Mandatsträger.
Aus Inspirationen werden Ideen für unsere Gemeinde
Die FWE greift die gewonnenen Anregungen nun auf und entwickelt daraus Ideen für Fahrenzhausen. Die gemeinsamen Eindrücke, die konstruktiven Gespräche und der gestärkte Zusammenhalt aus dem Wochenende bilden dafür eine gute Grundlage.
Mit Robert Kern und Annemarie Guttner haben wir zwei Architekten in unseren Reihen, die ihr Fachwissen und ihre berufliche Erfahrung in diese Überlegungen einbringen. Zusammen mit den kommunalpolitischen Erfahrungen unserer aktuellen und ehemaligen Gemeinderatsmitglieder hilft uns das, Möglichkeiten aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und ihre Eignung für Fahrenzhausen sorgfältig abzuwägen.
Unser Ziel sind Wohnformen, die unsere Ortsteile bereichern, Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen unterstützen und unser Zusammenleben stärken. Dafür waren wir gemeinsam unterwegs: um überzeugende Beispiele kennenzulernen, voneinander zu lernen und die besten passenden Ideen für unsere Gemeinde weiterzuentwickeln.
Gemeinsam unterwegs – gemeinsam bewegen wir was!